Liebe Gemeinde, liebe Gemeinschaft,

neulich habe ich mich mal wieder an einem Anblick erfreut, der glücklicherweise in unserem hochindustrialisierten Land immer noch zu finden ist und den es zu Jesus‘ Zeiten vermutlich noch viel öfter gab: Schafherden. Irgendwie fühle ich mich dann immer direkt in biblische Zeiten zurückversetzt.

Sowohl das Alte als auch das Neue Testament sind voll von Geschichten mit Schafen. Mal geht es um Hirten (Weihnachtsgeschichte Lk 2,8), mal um Schafe (Lk 15,4) und vor allem um den guten Hirten (Jes 40,11; Joh 10,11+14).

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, was wohl die 99 Schafe in Lukas 15 gedacht haben, als ihr Hirte sie einfach alleine lässt, um das eine zu suchen? Fühlten sie sich vielleicht verlassen und hatten Angst? Oder ärgerten sie sich, dass der Hirte jetzt so ein Aufwand betreibt, „nur“ weil halt ein Schaf verloren gegangen ist? „Selbst schuld an der Misere!“, mag vielleicht das eine oder andere der 99 gedacht haben.

Ich glaube, sie haben sich gefreut. Darüber, dass ihr „Mitschaf“ nicht einfach  abgeschrieben wird und noch viel mehr darüber, was sie für einen Hirten haben. Er würde beim nächsten Mal dasselbe für sie tun.

„Unser Hirte ist besser im Führen als wir im Folgen je sein könnten — vertrau Ihm.“ Diesen Satz sagte Sefora Nelson vor kurzem in einem Interview. Unser guter Hirte Jesus geht mit uns durch dick und dünn, durch die guten und durch die schlechten Zeiten (Ps 23). Bei ihm können wir nicht zu weit weggelaufen oder zu oft versagt haben. Er geht uns nach und bleibt dran. Und das sagt er nicht einfach so, sondern beweist es durch sein Handeln — im Höhepunkt durch sein Leiden am Kreuz für uns. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch irgendetwas oder irgendjemandem folgt, dann ist es doch ein wunderbares Privileg, diesem Jesus zu folgen. Kein einfacher Spaziergang und manchmal mit scheinbar unüberwindbaren Schwierigkeiten und Hindernissen. Aber zu jederzeit hinter ihm her mit dem Wissen, dass wir ihm vertrauen können.

Es grüßt euch Tobias Haberstroh